Mit Haut & Haar in NOLA

Wir kommen hier an: Der erste Eindruck sind der schier unendliche Arm des Mississippi Deltas und natürlich der Gürtel an Raffinerien und deren grauen Schlöten. Eine Skyline begrüßt uns und in mir kommen Zweifel auf, ob New Orleans seinen Charme wohl bewahrt hat über all die Jahre, vor allem nach Katrina.

Slim Goodies

Heute sitze ich im Slim Goodies an der Magazine Street, die man etwas vorsichtig auch als “Little Williamsburg” bezeichnen kann. Hier kellnern Leute, die ihre Fake-Brille am Flohmarkt um die Ecke gekauft haben und deren Karokreuzungen auf dem Hemd mit der Anzahl der Vintage-Stücke in ihren Shotgun-Häusern übereinstimmt. Die neon-orangen Fingernägel sollten zwar wieder mal lackiert werden, aber im Großen und Ganzen kommt der Laissez-fair-Look gut rüber. Inzwischen weiß ich übrigens auch, dass die Stadt trotz der großen Katastrophe nichts an Persönlichkeit einbüßen musste, sie hält nur, so scheint es, noch stärker zusammen.

Der Bus gaxt auf uns

Der Bus in die Innenstadt, den uns unsere Airbnb-Gastgeber Kristi und Mike wärmstens empfohlen haben, sollte uns endlich zur Geburtsstätte des Jazz, dem French Quarter, bringen. Nichts da. Das sollte unsere erste Begegnung mit der so unverwechselbaren Mentalität der Stadt werden: The Big Easy lässt sich treiben, The Big Easy hat den Flow, The Big Easy erlaubt keine Pünktlichkeit. 50 Minuten (oder waren es 150?) später besteigen wir ein Taxi, das wir uns mit einem mittelalterlichen, argentinischen Pärchen teilen. Sie haben übrigens original 1 Minute auf den Bus gewartet – der südamerikanische Geduldsfaden ist anscheinend sehr kurz.

Mit Haut und Haar

Die Stadt umarmte uns sofort und fraß uns mit Haut und Haar. Ehe wir’s uns versahen, waren wir mitten in einer Mardi Gras-Parade samt Brass-Band. Dann wurden wir in eine andere Zeit uns wahrscheinlich Sphäre versetzt: Pferdekutschen, sich vor Leuten biegende Balkone und vor allem: Musik überall. Aus jeder Bar dringt sie durch noch so kleine Ritzen. Doch die meisten Türen sind ohnehin weit geöffnet, weil die abendliche leichte Schwüle dann doch angenehmer ist als abgestandene Barluft und Mosquitos, die sowieso auch durch oben genannte Ritzen klettern – seien sie auch noch so klein.

Der Mississippi hat einige Schaufelraddampfer voll mit Schiffspersonal auf die Straßen gespuckt. Offiziere, Militärs, Kapitäne, Matrosen, alle in makellosem weiß bzw. khaki. Ein Fest für die Augen. Alle tanzen auf den Straßen, miteinander oder alleine. Eine Blasmusik-Kombo spielt in der Frenchman Street. Ein Donnerstag in New Orleans. Der ganz normale Wahnsinn. Musik kennt keine Altersgrenzen.

The Big South

Ein paar Straßen weiter sehen wir eine Südstaaten-Band wie sie im Buche steht: Alle in Latzhosen, dass darunter die Tattoos herausblitzen, scheint selbstverständlich. Dann passiert es: Man hebt ab, schwerelos lässt man sich durch die Straßen der Wiege des Jazz tragen. Gleitet auf den Klängen, geleitet von bunten Lichtern und dem Rhythmus dieser faszinierenden Metropole am großen Fluss. Schon jetzt hat man beschlossen, dass dies zwar der erste, aber sicher nicht der letzte Besuch in NOLA ist, denn man wurde gefangen genommen vom Esprit, der Melodie und der Magie dieses Ortes.

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